studentisches und verwandte wahnsinnigkeiten

August 14, 2008

Studenten Cliché #2 – Altkluge Besserwisser

Filed under: clichés — mrslaneey @ 8:39 am
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Studenten werden von anderen Bevölkerungsgruppen oft als „altkluge Besserwisser, die überall ihren Senf dazugeben und ihre Eloquenz beweisen müssen“ wahrgenommen.

Die Tatsache dass Studenten oft und gerne über Themen reden, die innerhalb ihres Studiengebiets liegen, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Tatsache dass das auf Nicht-Akademiker anstrengend und angeberisch wirkt ebenfalls nicht. Bei diesem Cliché muss ich also zugeben: Schuldig im Sinne der Anklage.

 

Gibt es Wege diese Kluft zu überwinden?

Vielleicht hilft es wenn man versteht warum Studenten den Drang haben zu gewissen Themen prinzipiell eine Diskussion oder vielleicht sogar einen Vortrag zu starten. Es liegt wohl hauptsächlich daran, dass sie von den Professoren zu geistig aktiven kritischen Beobachtern erzogen werden. Auf der Uni sind angeregte Diskussionen, konstruktive Kritiken und das Beweisen von Wissen tägliche und hochgelobte Beschäftigungen. Studenten sind es also aufgrund ihres sozialen Verhaltens, welches sie sich in Unikreisen angeeignet haben, gewohnt Ratschläge zu erteilen, Themen zu erklären und eloquente Diskussionen zu führen. Das gilt für den Seminarraum ebenso wie für die Mensa.

Mit diesem „altklugen“ Verhalten stoßen sie bei ihren Mitstudenten in jedem Fall auf Anerkennung. Denn wenn ein Student nichts zu einem Thema weiss ist er froh es von einem anderen erklärt zu bekommen um das eigene Wissen zu vergrößern. Somit ist es für einen Studenten immer eine Bereicherung „belehrt“ zu werden – ganz im Gegensatz zu anderen Gruppen die dann solch ungewollte „Belehrungen“ von ihren akademischen Mitbürgern oftmals als Beleidigung und Herabsetzung des eigenen Wissens auffassen. Und wenn ein Student etwas zu einem Thema sagen kann, sind Mitstudenten in der Regel froh über eine angeregte Diskussion in der sie ihre Eloquenz schulen und erproben können. Diese „Altklugheit“ wird also in Unikreisen durchaus als Bereicherung verstanden und nicht – so wie leider oft außerhalb in der „echten Welt“- als Arroganz.

Um dieses studentische Verhalten also besser verstehen zu können muss man es wohl vor dem sozialen und bildungstechnischen Hintergrund betrachten.

Mit der Bitte um Nachsicht, Verständnis und Toleranz,

Eine Studentin 😉

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August 11, 2008

Liebe Studenten/innen: Begrüßt das generische Maskulinum!

Filed under: @uni — mrslaneey @ 6:01 pm
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Sophie sitzt in einem Seminar mit dem klingenden Titel „Gender- eine Reise durch die Zeitgeschichte“ und freut sich, dass heute Referate gehalten werden und nicht die Seminarleitern, Frau Dr. Thaler-Frey, ihre üblichen Vorträge hält. In der ersten Stunde fand Sophie das Thema Gender – für das sie sich hauptsächlich deswegen eingetragen hat weil sie es sich als Wahlfach anrechnen lassen kann und man praktisch durch Nichtstun ein Zuegnis bekommen soll – ja noch ganz spannend. Die Referatsthemen klangen vielversprechend:

  • Frauen in der musikalischen Geschichte
  • Die Frau als Gender in der Kunst
  • Genderberücksichtigung im Zuge der Rechtsgeschichte
  • Gender Studies in der kriminologischen Forschung
  • Gendermodelle in der zeitgenössischen Dichtung

Doch spätestens seit der zweiten Stunde enervieren Sophie nicht nur Dr. Thaler-Freys harte maskuline Stimme und ihr Talent mit 1000 Worten fast nichts zu sagen, sondern ganz besonders ihr exzessiver Gebrauch von dem kleinen Anhang „-innen“.

Nun ist es Mitte des Semesters und Sophie ist schwer entschlossen nach all der nutzlos abgesessenen Zeit in diesem Kurs nun auch ein Zeugnis zu erwerben- als Trostpflaster quasi. Die Referate beginnen und ein Mädchen mit einer besonders grellen Stimme referiert lautstark über „Gender im Berufsleben – Zur Persistentz des geschlechtshierarchischen Arbeitsmarktes“:

„Liebe Mitstudenten und Mitstudentinnen! Trotz steigender Erwerbsbeteiligung von Frauen an klassischen „Männerberufen“ bleibt die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes auch im 21. Jahrhundert unverändert. Dies ist der Grund warum Studenten und -innen, Gymnasiasten und -innen sowie Hauptschüler und -innen im späteren Berufsleben grundsätzlich ungleich behandelt und bewertet werden. Diese Nicht-Berücksichtigung der gleichen Fähigkeiten aller Beteiligten und -innen…

An dieser Stelle geht ein leises unterdrücktes Gelächter durch den Raum.

…führt zu ungleichem Gehalt. Diese Ungleichbehandlung hat seine Wurzel schon im Mittelalter wo Bauern bzw Bäuerinnen, Köche und -innen, Handwerker und -innen und Musiker und -innen…

Eine Hand hebt sich und die Referierende stockt. „Ja?“

„Ich bin ziemich sicher es gab im Mittelalter keine Handwerkerinnen.“ meldet sich mutig einer der wenigen männlichen Seminarbesucher zu Wort.

„Bitte?“ Die Referierende wird nervös und wirft Frau Dr. Thaler-Frey fragende Blicke zu. Diese starrt den unterbrechenden Studenten misstrauisch an.

„Handwerkerinnen. Ich meine die gab es nicht. Der Handwerksberuf war – wie du bestimmt noch ausführen wolltest- ein reiner Männerberuf. Deswegen kann man nicht sagen Handwerkerinnen wenn man vom Mittelalter spricht.“

„Aber heute gibt es welche. Und damals wird es vielleicht auch welche gegeben haben.“

„Naja, meines Wissens gab es keine. Und ich kenne auch keine Aufzeichnungen die deine These bestätigen würden. Der Handwerksberuf war damals in Gilden organisiert und einer Gilde konnten nur Männer beitreten.“

Die Referierende schaut hilfesuchend zu Frau Dr. Thaler-Frey hinüber und läuft etwa zeitgleich rot an.

„Fragen bitte nach der Stunde!“ fährt diese daraufhin den sich zu Wort meldenen Studenten an. „Sie stören nur den Vortrag.“

Daraufhin schweigt betreffender Student wieder in sich hinein auch wenn er sich bei den weiteren Ausführungen der nun etwas stockend vortragenden Referierenden manchmal ein Lächeln oder leises Auflachen nicht verkneifen kann -so wie viele andere der Mitstudenten und -innen. Sophie trägt sich gleich nach dieser Stunde als sie zuhause ankommt in eine weitere Studivz-Gruppe ein:

„…/innen“ nervt – für den Erhalt des generischen Maskulinums!

Studenten Cliché #1 – Lange Schlafen/Verschlafen

Im Studivz gibt es nicht umsonst eine Gruppe die da heißt: „Meine Vorlesungszeiten kollidieren mit meinen Schlafzeiten„, doch was ist dran am sich hartnäckig haltenden Cliché der bis Mittag schlafenden, Vorlesungen verschlafenden und somit „faulen“ Studenten?

Aus meiner Erfahrung muss ich zwar zugeben: Ja, es gibt diese „faulen“ Studenten die nur studieren um nicht arbeiten zu müssen oder weil Papa es ihnen so vorgeschrieben hat, weil sich Mama eine/n Akademiker/in wünscht. Diese führen dieses traumhafte Leben das von Partys, Spaß, verschlafenen Tagen und durchzechten Nächten erfüllt zu sein scheint. Doch das ist meines Wissens eine Minderheit.

Die meisten meiner Mitstudenten führen ein ganz anderes Leben. Augenringe und unterdrückte Gähner rühren bei diesen eher von mit einem immensen Koffeinspiegel durchlernten Nächten oder abendlichen Nebenjobs her. Nicht selten wird eine Vorlesung um 8:00 s.t. (sine tempore) verschlafen weil am Vorabend bis 4 Uhr Früh gelernt wurde oder weil der Nebenjob wieder zu zeitraubend war und man sich erst um 22:00 zum Tisch setzen konnte um sich endlich der „Systhematischen Betrachtung der nationalen und internationalen Jurisprudenz im Lichte der europarechtlichen Richtlinien“ oder den „Mikro- und Makroökonomischen Fallstudien auf internationalem Niveau“ zu widmen.

Das Hauptproblem der meisten Studierenden ist, dass der Tag leider nur 24 Stunden hat. Um das Studium, die erforderliche Literatur, die Wohnung oder übliche Annehmlichkeiten finanzieren zu können muss ein (oder mehrere) Nebenjobs angenommen werden. Und die verbleibende spärliche Freizeit wird natürlich zum Lernen genutzt, denn man will möglichst schnell mit dem Studium fertig werden um endlich von einer 70 Stunden Woche zu einer 40 Stunden Woche wechseln zu können.

Also muss ich mich gegen das Cliché Studenten würden permanent verschlafen und bis in die Mittagsstunden durchschlafen und seien somit „faul“ entschieden wehren. Möglicherweise mag das auf Außenstehende deren aktiver Tag um 23:00 ein Ende findet so wirken. Aber in Wahrheit verschiebt der Großteil der Studenten einfach nur die Aktivitätszeiten. Statt von 8-21 wird eben von 11-3 gearbeitet/studiert und gelebt.

August 9, 2008

Dekanatsassistenten… lecker! :)

Filed under: @uni — mrslaneey @ 8:32 pm
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8:00 in der Mensa

Sophie hat ihren Kaffee und die soeben gekaufte Zeitung vor sich auf dem Tischchen liegen. Außer ihr sitzen in der hintersten Ecke drei verschlafene Burschen, die aussehen als hätten sie die Nacht in ihrer Kleidung verbracht (wahrscheinlich haben sie das auch), die Putzfrau die langsam und gemächlich Sessel nach Sessel von den Tischen nimmt, umdreht und etwas geräuschvoll auf den Boden stellt und natürlich die Mensa-Frau die gelangweilt hinter dem Thresen steht.

Sophie wäre ja nie so früh aufgestanden, wenn man sie nicht her bestellt hätte -besser gesagt Anna. Zum Lernen. Immerhin steht die Prüfungswoche bevor. Aber warum Anna auf diese unstudentische Zeit bestanden hat kann Sophie nicht nachvollziehen. Von ebendieser bekommt sie dann auch noch folgende Sms:

Verspäte mich. Scheiß öffentliche Verkehrsmittel!

Der Tag fängt ja gut an, denkt Sophie und sehnt ihr kuscheliges Bett zurück.

8:15 Auftritt Assistent

Und dann kommt er herein und setzt sich an einen Tisch nur zwei Tische entfernt von Sophie. Brauner legerer Anzug, keine Kravatte, erster Knopf des weissen Hemdes geöffnet, dunkelbraune Aktentasche und Schuhe, randlose modische Brille. Der Dekanatsassistent.

Die Zeitung locker unter den Arm geklemmt geht er zur Theke und bestellt einen Kaffee. Sogar bei dieser einfachen Bestellung schwingt in seiner Stimme eine Wiener Noblesse des vorigen Jahrhunderts mit. Das ist normalerweise seine Vorlesungsstimme. Offenbar redet er also auch privat so als würde er Shakespeare rezitieren. Bei den meisten würde das lächerlich wirken, doch bei ihm unterstreicht es nur einmal mehr seine Intelligenz und sein professionelles Auftreten. Als er an ihr vorbeigeht fühlt sich Sophie auf seltsame Art in den Cola-Light-Werbespot versetzt -nur dass der betreffende Darsteller angezogen ist. Intelligenz macht so unheimlich sexy!

Sophie lehnt sich möglichst unverkrampft zurück und studiert gewissenhaft ihre Zeitung, ohne jedoch die ab und zu auf den Assistenten schweifenden Blicke vermeiden zu können. Stubner heißt er. Dr. Stubner. Da sitzt er und kritzelt auf ein Blatt Papier. Vielleicht korrigiert er Klausuren. Vielleicht entscheidet er in diesem Moment über Weiterkommen und Durchfallen. Auch Macht macht sexy. Sein Telefon läutet, er hebt ab („Stubner?“ was für eine Stimme!), packt daraufhin seine Unterlagen in die Aktentasche und geht tefefonierend und schnellen Schrittes an Sophie vorbei.

8:30 Ankunft Anna

Außer Atem lässt sich Anna auf den Sessel neben Sophie fallen, schaut sich in der Mensa um und meint:

„Ich hab ihn verpasst, oder?“

„Wen denn?“

„Dr. Stubner. Er ist schon weg, oder?“

„Ja, ist er. Sag mir bitte nicht, wir haben uns nur wegen ihm so zeitig hier treffen müssen.“

„Sag nicht du findest ihn nicht auch umwerfend.“

„Na ja, aber deswegen würd ich ihm doch nicht nachstellen.“

„Komm schon, das ist der Höhepunkt meines Tages.“ Anna lächelt. Bei ihr weiss man nie wie ernst sie soetwas meint. Sie deutet der Mensa-Frau einen Kaffee zu bringen und seufzt.

„Also fangen wir an. Wie genau sieht die Stoffabgrenzung aus…?“

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